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Deutsch.

Für einen Deutsch denkenden Deutschen klingst du wie ein bekiffter Hippie.

Das schrieb Sami, als ich mich auf Facebook darüber wunderte, dass Deutsche, die diesen Blog verfolgen, häufig nicht ganz ernst nehmen wollen was ich da schreibe. “Der schreibt ja ganz gut, aber das kann er so nicht meinen.” sagen die gerne. Vielleicht hat Sami mit seiner These einer Sprachbarriere recht.

“I think the difference is really that most Germans don’t understand most of what you write because it’s in English. As dumb as that sounds but there’s a big difference about the way English speakers perceive words/idioms/metaphors to the way Germans perceive it when they translate what you write. To a German-thinking German you sound like a stoned hippie. Even more so to a 30+year-old Feindflug-Fan from Erfurt. Language (and the corresponding cognitive) barriers are real. It’s just like how Americans think I’m the biggest asshole on earth when I just state a fact.”

Und vielleicht ist es an der Zeit Deutsch zu sprechen.

Deutsche!

Wir reden wenig miteinander, aber wir hatten auch einfach einen schwierigen Start. Da machen wir uns nichts vor. Dieses Projekt hatte ursprünglich das Ziel viele von euch zu beleidigen und irgendwie hat das nicht mal wer gemerkt. Aber das war OK. Wir haben auf der Reise die folgte, eine Menge Menschen getroffen die so fabelhaft sind, dass wir mit diesem Projekt nicht mehr aufhören wollten. Weil wir den unerhörten Spass den wir da hatten, weiterhin haben wollten und weil wir uns tatsächlich von unserem Publikum inspiriert fühlen. Mehr als wir jemals vorher glauben wollten. Viele der Leute sprachen kein Deutsch. Das sei auch meine Rechtfertigung. Ich habe Englisch für den kleinsten gemeinsamen Nenner gehalten. Aber es ist an der Zeit der Heimat mehr Aufmerksamkeit zu geben, auch wenn das ein bisschen weh tut. Denn

die Wahrheit ist: Uns ist langweilig

hier und das muss sich wirklich ändern. Wir sind uns sicher, dass wir nicht alleine sind damit, dass es viele Leute hier im Ruhrgebiet gibt, denen das ganz ähnlich geht. Es ist ein Dilemma: Das Ruhrgebiet hat den größten und weitläufigsten industrial und EBM Underground den ich kenne. So groß, dass es fast Pop ist. Hier im Ruhrgebiet kann die Matrix 1000+ Besucher Parties veranstalten. Regelmäßig. Das TIC ist einer der schönsten Goth Clubs die ich kenne und ich bin in den letzten Jahren echt weit gereist. Die Vielfalt an Clubs und Veranstaltungen ist erstaunlich. Der Kulttempel hat einen blöden Namen, aber ist dabei die coolste Live Venue in diesem Bereich zu werden. Ich freue mich auf KMFDM demnächst und auf Faderhead heute Abend. Wir haben genug Leute und Venues um hier jeden denkbaren Unsinn zu treiben. Was tatsächlich passiert ist leider etwas anderes.

Das Ruhrgebiet fühlt sich an wie die Geriatrie der schwarzen Szene.

Alles schreit: Wir sind die Provinz. Die Veranstaltungen vermitteln die Sitzecken-Wärme eines CDU Parteitags. Fast jeder Veranstalter hat in der Vergangenheit ein Marketing der Ausgrenzung betrieben. Anstatt zu sagen was man will, hantiert man mit bizarren Konzepten wie Ü25 Düsterparties, wabelligen Dresscodes die dann irgendwie Ausnahmen haben (oder auch nicht) oder man verbietet mal Knicklichter oder anderen Krempel. Flyer die schon 1995 Verbrechen gegen Gott waren. Die DJs können nicht Beatmatchen, oder meinen sogar das geht gar nicht und einer von denen nennt sich “HELL-GE” und glaubt das wäre cool. (Weil der aus GElsenkirchen kommt. Echt jetzt. Alter.)

Trends und Entwicklungen werden verschlafen. Fantastische Entwicklungen wie Light Asylum, Purity Ring, Esben and the Witch, und Salem werden von der “no Knicklicht” Brigande ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass New Yorker gerade Klamotten verkauft, die okkulter aussehen als der ganze Karnevalsbedarf von Xtra-X. Finster wird mittlerweile von Hipstern besser gemacht und tanzen geht man besser bei den Superheroes oder Double Trouble Parties. Da ruft zumindest keiner die Sicherheit wenn man gerade nicht von einem Bein auf das andere wankt oder sich darüber empört wenn kleine Mädchen einen darauf hinweisen das sie “HIER” (wo ich stand) jetzt tanzen werden. Cyberelitetänzer geben einem Visitenkarten ihres Tanzvereins und letztere dissen sich gegenseitig und halbherzig in irgendwelchen Internetforen. Provokation passiert nicht mehr durch das Spalten von Tierschädeln. Dafür reicht mittlerweile Blickkontakt. Ernsthaft.

Wir sind nicht alt genug für den Scheiß.

Die Leute die den letzten Maschinenfesttag immer wieder legendär machen, ertragen das schon lange nicht mehr und sind nicht mehr zu finden. Die etablierte Kleingartenkultur hält konsequent Leute draussen, die theoretisch was fabelhaftes machen könnten. Alle reden noch immer von Subkultur, aber eigentlich scheint jeder mit biederer Unterhaltung und einen Spritzer Kunstblut glücklich zu sein.

Das geht nicht mehr. Das muss anders. Gar nicht mal weil das wichtig wäre, sondern einfach nur weil es geht. Es ist unmöglich dass ich mich alleine Langweile. Es muss andere geben, die auch lieber crowdsurfen würden, als sich die Screens von Kameras, Telefonen und Tablet Computern (Tall screen) der ersten drei Reihen anzusehen. Was ist mit diesem wundervollen Abschaum der wenigstens morgens am Bahnhof Langendreer Passanten mit geschickt auf der Rolltreppe drapierten Getränkeverpackungen verstört? Da müssen ein paar sein die Nitzer Ebb funky finden können und die eigentlich diesen Filz endlich eskalieren wollen. Leute die nicht weglaufen wenn man sie fragt ob die Lust haben mit ins Hotel zu kommen, weil die (wie ich) darauf hoffen, dass das so endet wie neulich in Sheffield, der Stadt in der ein Industrial Dance Underground gerade neu erfunden wird:

ROOM129 Crowdsurfing.
Mein Hotelzimmer beim Resistanz Festival 2013 in Sheffield.

Wie wär’s?

Ein bisschen Umsturz, ein bisschen Chaos in dieser Szene in der wir wohnen. Ein bisschen nicht auf die Künstlerschweine warten, dass die was vor machen. Das Leben ist zu kurz um das Wochenende bei gut organisierten, aber mittelmäßigen Events zu verschwenden. Das wolltet ihr doch schon mit eurer Jugend machen, oder?

Hört auf euch zu benehmen. Hört auf euch anzupassen. Nur für ein paar Stunden. Es ist Freitag. Es ist an der Zeit. Ich gehe nachher mal in den Kulttempel Faderhead anschauen. Vielleicht werfe ich Unterwäsche. Vielleicht macht einer mit. Tut euch doch einen gefallen: Geht dieses Wochenende  in euren Club und macht einen Fremden glücklich. Oder redet wenigstens mit einem. So macht man Legenden. Sagt den Leuten in der Bahn, dass jemand unfassbares an der nächsten Haltestelle den Wagen verlässt, prostet ihnen zu damit die wissen, das ihr euch selbst meint. Vielleicht sehen wir uns da draussen und wenden das Blatt. Ihr könnt ja auf Facebook oder Twitter schauen wo ich mich rumtreibe und dann sehen wir uns da draussen in der Wüste und finden Wasser.

-j

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